Bellamy’s Reserve Rum

Review

Rum-Review   •   17. März 2019

Rum-Cask-Finished Rum

Der Spirituosenimporteur Perola (u. a. Compagnie des Indes und Ron Cihuatán) hat vor wenigen Tagen seine erste eigene Rum-Marke auf den Markt gebracht: Bellamy’s Reserve Rum. Die Grundlage bildet dabei ein 8-jähriger Barbados-Rum aus einer nicht genannten Destillerie. In Deutschland erhielt dieser anschließend für knapp zwei weitere Jahre eine spezielle Nachreifung. Die Besonderheit: Es handelt sich um ein Finish in fünf ehemaligen Rum-Fässern aus unterschiedlichen Ländern. Rum-Cask-Finished Rum sozusagen. Dazu gibt es noch eine Geschichte um den Piraten Sam Bellamy – angeblich der „der erfolgreichste Pirat aller Zeiten“.

Folgende fünf Abfüllungen sind erhältlich:

Bellamy's Reserve Rum
Bellamy's Reserve: 5 x Rum-Cask Finished Rum

© Perola

Tasting

Bellamy’s Reserve BelizeBellamy’s Reserve Rum Belize

In der Nase nimmt man deutlich Vanille, Karamell und Holz wahr. Dazu leichte Noten von Nougat und Kokos. Der Alkohol ist etwas stechend. Ansonsten lässt sich wenig entdecken.

Im Mund ist der Bellamy’s Belize sehr süß. Karamell, Vanille, Bittermandel und Eiche sind die dominanten Aromen. Das Finish ist kurz.

Fazit: Die Süße überlagert so ziemlich alles. Ein einfacher Süßrum ohne größere Ambitionen, der an den Ron Cihuatán 8 erinnert.

Bellamy’s Reserve GuadeloupeBellamy’s Reserve Rum Gouadeloupe

Dieses Bouquet ist dagegen schon deutlich spannender: Jod, Meeresluft, dunkle Früchte, Beeren, ordentlich Würze und ein wenig Vanille. Der Einfluss des ehemaligen Rhum Agricole-Fasses ist spürbar und verleiht dem Rum einen charakteristischen Einschlag.

Doch ach: Im Mund sind die Agricole-Noten (Zuckerrohr, Pflaume, Gras, Florales) zwar noch erahnbar, werden aber durch die karamellige Süße plattgemacht. Schade, hier wäre mehr drin gewesen …

Fazit: Vielversprechendes Bouquet, leider kaputtgesüßt.

Bellamy’s Reserve GuatemalaBellamy’s Reserve Rum Guatemala

Angenehmes Bouquet mit viel Vanille, Mandeln und Honig. Dazu leichte Fruchtnoten von reifer Honigmelone, minimal florale Aromen und etwas Butteriges.

Im Mund dominiert wieder die Süße mit ausgeprägtem Honigaroma, Vanille, Holz und den floralen Noten. Kurzes Finish mit Holz und Mandel.

Fazit: Einfach gestrickt, angenehm trinkbar, nichts Weltbewegendes.

Bellamy’s Reserve GuyanaBellamy’s Reserve Rum Guyana

Der Name Enmore lässt bei Rum-Aficionados hohe Erwartungen aufkommen. Und in der Tat hält die Nase die typischen Enmore-Noten mit starkem Holzeinschlag, Anis und Kräutern bereit. Darunter ist der Barbados-Grundcharakter wahrnehmbar. Gegenüber Enmore-Abfüllungen in Fassstärke wirkt alles aber natürlich ziemlich heruntergedimmt.

Im Mund sind die Enmore-Noten (Holz, Anis)zwar ebenfalls vorhanden, werden aber leider erneut von der Süße erschlagen. Eine Art Kräuterbonbon in flüssiger Form. Das Finish ist zumindest etwas länger als bei den übrigen Abfüllungen.

Fazit: Nicht schlecht, aber wenn man Süßes aus Guyana sucht, ist man mit dem El Dorado 15 oder dem El Dorado 21 besser bedient – und bezahlt deutlich weniger.

Bellamy’s Reserve JamaicaBellamy’s Reserve Rum Jamaica

Da soll Jamaica im Spiel gewesen sein? Hampden war es wohl kaum … Wer sich auf eine ordentliche Ladung Ester gefreut hat, schaut jedenfalls in die Röhre. Blind würde ich niemals auf Jamaica tippen. In der Nase eine Mischung aus vanilliger Süße, Holz und zu dominantem Alkohol. Dazu leichte Kokosanklänge. Alles nichts, was man mit Jamaica verbinden würde.

Im Mund herrscht wieder die Süße mit viel Vanille und Karamell vor, die mit Holz und leicht fruchtigen Noten (Banane?) abgerundet wird. Nicht unangenehm, aber ohne jeglichen Wiedererkennungswert. Jamaica? Fehlanzeige.

Fazit: Kein wirklich schlechter Rum, aber belanglos. Für mich persönlich die größte Enttäuschung, weil ich mir unter „Jamaica“ etwas ganz anderes vorgestellt habe.

Fazit: Rum ohne Zielgruppe?

Insgesamt lässt sich festhalten, dass auf das mehr (Guyana und Gouadeloupe) oder weniger vielversprechende Bouquet im Mund durchweg Enttäuschung folgt – die Süßung hätte es schlicht und ergreifend nicht gebraucht. Der Bellamy Guyana mit seinen Enmore-Noten ist noch der beste aus der Reihe – aber in Sachen Preis-Leistung einfach zu teuer. Guatemala, Jamaica und Belize ähneln sich so sehr, dass man sich fragt, warum es diese unterschiedlichen „Single Cask“-Abfüllungen überhaupt braucht. Im Grunde wirken sie alle wie eine Spielart des Plantation Barbados XO 20th Anniversary. Zumindest in dieser Hinsicht unterscheiden sich der Guyana und der Guadeloupe. Allerdings nicht in einem Maße, das ihren Preis rechtfertigen würde.

Ich persönlich bin eher enttäuscht von der Bellamy’s-Reihe. Nicht, weil es sich um einfache Süßrums handelt – jeder kann und soll trinken, was ihm schmeckt (so lange er weiß, was er trinkt). Mir stellt sich eher die Frage, welche Zielgruppe mit diesem Rum angesprochen werden soll? Einsteiger? Denen dürften die Preise zu hoch sein und Namen wie Enmore oder Bellevue werden kaum als Kaufargument dienen. Wer einen angenehmen, nicht allzu fordernden Barbados-Rum sucht, kann gleich zum Plantation Barbados XO 20th Anniversary greifen und bezahlt dafür weniger. Und wer einen süßen Rum mit etwas mehr Komplexität sucht, ist mit dem El Dorado 15 besser bedient.

Richten sich die Bellamys an erfahrene Rum-Trinker*innen? Das könnte man aufgrund der Single-Cask-Assoziation und den hohen Preisen durchaus meinen. Aber warum um alles in der Welt füllt man die Rums dann mit schwachbrüstigen 40 % Vol. ab und süßt das Ganze so stark, dass von den zarten Fasseinflüssen kaum etwas übrigbleibt? Rum-Connaisseure werden sich davon jedenfalls kaum locken lassen. Zumal dann nicht, wenn man für den Preis des Bellamy’s Guyana bei etlichen unabhängigen Abfüllern auch „echte“ Demerara-Rums in Fassstärke und ohne Zusätze bekommt.

Die fünf Abfüllungen können den Ansprüchen, die sie selbst erwecken, nicht ganz gerecht werden. Unter dem Strich handelt es sich um ordentliche, gesüßte Einsteiger-Rums ohne ein größeres Maß an Komplexität und Charakter.

Wir danken Perola für die fünf Bellamy’s-Samples, die uns kostenlos zur Verfügung gestellt wurden.

Rum-Score: 73/100

Bellamy’s Reserve Belize

Rum-Score: 76/100

Bellamy’s Reserve Guadeloupe

Rum-Score: 75/100

Bellamy’s Reserve Guatemala

Rum-Score: 77/100

Bellamy’s Reserve Guyana

Rum-Score: 72/100

Bellamy’s Reserve Jamaica

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
Email

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.