3 Island White Rum

Rum des Monats Juli 2019

Rum-Review   •   2. Juli 2019

Weißer Rum – nur zum Mixen?

Kennst du das? Du erzählst einem Bekannten begeistert von Rum, seinem riesigen Potenzial und der enormen Bandbreite dieser Spirituose. Und als Antwort kommt: „Rum? Du meinst, sowas wie Bacardi?“

Anders als zum Beispiel Whisky oder auch Gin hat Rum in der allgemeinen Wahrnehmung nach wie vor ein gewisses Imageproblem. Für viele handelt es sich um eine billige Spirituose mit wenig Geschmack, deren einziger Daseinszweck es ist, die Grundlage zweifelhafter Cocktails zu bilden. Leider bestätigt sich dieses Vorurteil beim Besuch eines durchschnittlichen (deutschen) Supermarkts nur allzu oft. Während man hochwertigen Whisky dort problemlos findet, lässt sich dies für Rum keineswegs immer behaupten. Für weißen Rum gilt dies in besonderem Maße.

Dass „weißer“ bzw. ungereifter Rum (was nicht immer dasselbe ist) weit über dieses Klischee hinausgeht, dass er mit regelrechten Aroma-Attacken aufwarten kann, ist hingegen keineswegs Allgemeinwissen. Jamaikanische Overproof-Esterbomben wie der Rum Bar White Overproof, durchgeknallte Orgien aus vergorenen Früchten wie beim Savanna HERR, markante Clairins aus Haiti, Rhum Agricole aus Martinique oder die jüngst erschienenen Veliers von Long Pond oder Hampden – all diese Beispiele zeigen, dass ungereifter Rum nicht nur unglaublich vielseitig ist, sondern auch manchen gereiften Vertreter in die Tasche steckt. Gerade für die letztgenannten Velier-Abfüllungen muss man allerdings stolze Summen auf den Tisch legen. 50 € und mehr sind ein sportlicher Preis angesichts der Tatsache, dass das Destillat keine Reifung erfahren hat und somit von der Brennanlage mehr oder weniger direkt in die Flasche gelangte – und damit in der Herstellung nur einen Bruchteil des Verkaufspreises gekostet hat.

Die Geschichte von Charles Hosie

Gerade jetzt im Sommer, wenn der Bedarf nach weißem Rum ansteigt, stellt sich somit die Frage, ob man für einen guten weißen Rum also wirklich entweder viel Geld in die Hand nehmen oder sich stattdessen mit langweiligen Semi-Wodkas begnügen muss? Oder ob es nicht auch Abfüllungen gibt, der zwar nicht viel mehr als ein Bacardi kosten, aromenmäßig aber dennoch in einer anderen Liga spielen?

Die Antwort auf diese Frage ist unser Rum des Sommermonats Juli, der 3 Island White Rum. Ein Blend ungereifter Rums, der nach wie vor ein Geheimtipp ist und ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Hersteller ist das Hamburger Spirituosen-Unternehmen Charles Hosie. Es vertreibt Rhum wie Damoiseau aus Guadeloupe oder St. Aubin aus Mauritius ebenso wie eigene Abfüllungen. Zudem hat Charles Hosie eine spannende Geschichte aufzuweisen.

Charles Hosie (1887–1958) war der Sohn eines schottischen Kaufmanns, der mit seiner Familie 1880 nach Hamburg gezogen war. Dort gründete Charles im Jahre 1918 ein Unternehmen unter seinem Namen. Er importierte zunächst Lebensmittel und bald auch Spirituosen. Nach dem zweiten Weltkrieg übernahmen Charles‘ Söhne Karl-Georg und Wolfgang das Unternehmen und führten es mit großem Erfolg fort. Man erweiterte das Spirituosenportfolio um bekannte Marken – darunter Bacardi, Jack Daniels und Johnnie Walker – und wurde zu einem der bedeutendsten Spirituosenimporteure in Deutschland. Im Jahr 1983 verkaufte man das Unternehmen und alle Markenrechte jedoch an die Familie Bacardi auf den Bermudas. Zehn Jahre lang wurde noch die alte Firmenbezeichnung weitergeführt, ehe das Unternehmen ab 1993 schließlich als Bacardi Deutschland GmbH firmierte. Charles Hosie existierte nur noch auf dem Papier.

Im Jahre 2007 erwarb Rainer Hosie, ein Enkel des Firmengründers, das ehemalige Familienunternehmen zurück – für einen symbolischen Euro. Er wollte die alte Familienmarke zu neuem Leben erwecken, musste dafür allerdings das Portfolio komplett neu aufbauen. 2017 zog das Unternehmen schließlich, kurz vor seinem hundertjährigen Jubiläum, zurück an seinen Ursprungsort Hamburg. Seit über hundert Jahren und in dritter Generation werden somit Spirituosen unter dem Namen Charles Hosie importiert und vertrieben.

3 Island White Rum

Beim 3 Island White handelt es sich um einen Blend fünf unterschiedlicher Rums aus Jamaika, Trinidad und Martinique – drei Länder, die für markante Geschmacksprofile stehen. Die Bestandteile des Blends wurden nicht gelagert. Der Jamaika-Anteil stammt aus der Hampden-Destillerie, der Trinidad-Anteil von Trinidad Distillers (Angostura) und der Martinique-Anteil aus drei verschiedenen Brennereien des französischen Übersee-Departements. Hampden ist eine jamaikanische Brennerei, die für besonders Ester-lastige Rums berühmt ist. Die Insel Martinique ist für Rhum Agricole mit grasig-frischen Aromen bekannt und gewährleistet die Qualität dort produzierten Rhums durch AOC-Richtlinien. Der Trinidad-Rum sorgt für das Rückgrat des Blends. Aufgrund dieser Zusammensetzung darf man also durchaus einiges an Aromen erwarten. Der 3 Island White wurde mit einem Alkoholgehalt von 40% vol. abgefüllt.

3 Island White Rum – Tasting

Auch wenn man nichts über die Zusammensetzung wüsste – Jamaika und Rhum Agricole sind die ersten Assoziationen, die einem in die Nase steigen. Eine schöne, fast schon wärmende Grundnote von frischem Zuckerrohr, Gras und feuchter Erde wird ergänzt durch typische Esternoten von vergorenen tropischen Früchten (Ananas, Banane, Passionsfrucht) und Nagellack. Dazu Minze, Thymian, Grapefruitschale, weißer Pfeffer, Marzipan, frisches Leder und eine leicht fleischige Umami-Noten. Der Alkohol ist gut eingebunden, auch wenn man merkt, dass man es mit einem jungen Destillat zu tun hat.

Im Mund ist der 3 Island White Rum sehr mild. Eine natürliche Zuckerrohr-Süße mit leichten Fruchtanklängen macht den Auftakt, ehe grasig-erdige Noten mit Minze, Leder, Marzipan und einem Hauch Salz folgen. Die geringe Alkoholstärke ist im Mund deutlich bemerkbar, der Rum besitzt nicht allzu viel Körper – insbesondere auch beim Finish, das kurz ist und keine neuen Akzente setzt.

Es steht außer Frage, dass ein Rum in diesem Preissegment nicht primär zum puren Trinken gedacht ist. Umso erstaunlicher ist es, wie gut dies dennoch möglich ist. Der einzige Wermutstropfen ist der geringe Alkoholgehalt – eine etwas höhere Trinkstärke wäre sehr willkommen gewesen.

Cocktails mit 3 Island White Rum

Seine Vorzüge entfaltet der 3 Island White insbesondere in Mixgetränken. Aus diesem Grund empfehlen wir an dieser Stelle ein paar klassische Rum-Cocktails, in denen der 3 Island White eine gute Figur abgibt. Es handelt sich um ebenso einfache wie schmackhafte Rezepte, die man auch mit wenig Erfahrung zubereiten kann. Als Grundzutaten werden lediglich Rum, frische Limetten, Zuckersirup, Sodawasser und Minze (sowie ggf. Erdbeeren) benötigt.

Daiquiri

60 ml 3 Island White Rum
30 ml frischer Limettensaft
20 ml Zuckersirup (1:1)

Alle Zutaten mit viel Eis im Shaker schütteln und in ein vorgekühltes Glas abseihen.


Variante: Strawberry Daiquiri

60 ml 3 Island White Rum
40 ml frischer Limettensaft
30 ml Zuckersirup (1:1)
8 frische Erdbeeren

Alle Zutaten mit Eiswürfeln in einem Mixer 10 Sekunden auf höchster Stufe vermengen und ein vorgekühltes Glas gießen.

Rum Collins

60 ml 3 Island White Rum
30 ml frischer Limettensaft
20 ml Zuckersirup (1:1)
Sodawasser

Rum, Zuckersirup und Zitronensaft mit Eiswürfeln in einen Highball-Glas geben , verrühren und mit Sodawasser auffüllen.

Mojito

60 ml 3 Island White Rum
30 ml frischer Limettensaft
20 ml Zuckersirup (1:1)
60 ml Sodawasser
Frische Minze

Alle Zutaten mit zehn Blättern Minze (vorher leicht andrücken bzw. anklatschen) mit Eis im Shaker schütteln. Anschließend ins vorgekühlte Glas abseihen und mit etwas Sodawasser auffüllen. Mit frischen Minzeblättern garnieren.

Fazit

Der 3 Island White Rum ist ein empfehlenswerter weißer Allrounder zu einem fairen Preis – und noch immer ein Geheimtipp. Egal, ob die eigene Hausbar bestückt oder eine größere Menge durstiger Menschen mit Drinks versorgt werden müssen – aufgrund seines Preis-Leistungs-Verhältnisses ist er eine ideale Wahl für Rum-Cocktails. Eine gewisse Einschränkung stellt der niedrige Alkoholgehalt dar, der eher sanfte Drinks nach sich zieht. Das muss kein grundsätzlicher Nachteil sein, aber beim Mixen bedacht werden – ein Overproof-Rum hat hier sicherlich mehr Punch.

Genießt dem Sommer, liebe Rum-Freund*innen, macht euch und euren Lieben ein paar schöne Drinks und investiert das Geld, das ihr mit dem 3 Island White spart, zur Abwechslung mal in eine Flasche Savanna HERR. Und die lasst ihr dann all jene probieren, die der Meinung sind, „Rum? Meinst du, sowas wie Bacardi?“

3 Island White
3 Island White Rum

Rum-Score: 84/100

3 Island White Rum

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