Rückblick auf die 089 Spirits 2019

Spirituosen statt Starkbier

Rum-Review   •   15. November 2019

More Gin, anyone?

Zum nunmehr vierten Mal fand vom 8. bis zum 10. November 2019 die Spirituosenmessen 089 Spirits 2019 statt – an einem neuen Veranstaltungsort, dem Münchner Nockherberg. Die neue Location ist deutlich größer als die vorige auf der Praterinsel, was sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich brachte. Begrüßenswert war der ausreichend vorhandene Platz, dank dessen man sich nicht (wie auf anderen Messen) förmlich durch die Menschenmengen prügeln musste. Zudem gab es einen großzügigen Essensbereich mit Sitzgelegenheiten. Auch der Einlass war deutlich professioneller geregelt als im Vorjahr. Auf der Minusseite stand hingegen die Tatsache, dass die Halle auffällig schwach gefüllt wirkte und man sich fragte, ob dieses Jahr weniger Aussteller da waren oder der Veranstaltungsort schlicht überdimensioniert war. Da war es auf der verwinkelten Praterinsel doch etwas intimer.

Mit Erstaunen ließ sich außerdem konstatieren, dass es offenbar immer noch nicht genug Gin auf diesem Planten gibt. Gin-Aussteller dürften locker die Hälfte der Stände ausgemacht haben, was dazu führte, dass Flaschendesign und Storytelling („… der Lunatic Gin, der bei Vollmond destilliert und bei Neumond abgefüllt wird“ – kein Witz) die Übermacht auf der Messe hatte.

Rum-Rundgang

Was die Rum-Aussteller angeht, musste man leider feststellen, dass deren Zahl gegenüber den Vorjahren zurückgegangen war. So waren beispielsweise – anders als noch 2018 – weder Perola (mit Compagnie des Indes und Cihuatán) noch Plantation vertreten. Lässt man einige eher absonderliche Repräsentanten außen vor, blieb nur eine Handvoll Stände übrig, die den Besuch lohnten.

Wir begannen unseren Rum-Rundgang am Stand von Kill Devil. Die Rum-Marke des unabhängigen schottischen Abfüllers Hunter Laing verblüfft immer wieder mit der Breite des Single-Cask-Portfolios und bietet mitunter auch unorthodoxe Abfüllungen. Wir probierten uns durch fünf Guyana-Vertreter, die alle mit einem recht eigenen Profil und teilweise sogar ungewöhnlich Ester-orientiert daherkamen. Durchaus ansprechend war außerdem ein 10-jähriger Hampden sowie der Nicaragua 18 Jahre Cask Strength. Alles in allem ein schöner Querschnitt durch die Welt des Rums, wobei nichts so wirklich zwingend erschien.

Eine kleine Reise durch die Welt des Rums am Stand von Kill Devil
Eine kleine Reise durch die Welt des Rums am Stand von Kill Devil
Florian Burkhardt am Kill Devil-Stand
Florian Burkhardt am Kill Devil-Stand

The Spirit of Rum

Als Highlight der Messe erwies sich der Stand von Spirit of Rum, an dem Dirk Becker, Benoit Bail und Robert Zinke mit einer attraktiven Rum-Auswahl aufwarteten. Neben The Real McCoy, Don Q und der eigenen RumClub Private Selection sind vor allem die vier neuen 2019er-Abfüllungen von Tres Hombres hervorzuheben, unter anderem mit einer Abfüllung von La Favorite. Besonders erfreulich ist es, dass Rhum französischen Stils (namentlich Rhum Depaz, Habitation Saint Etienne und Saint James) mittlerweile stärker im Fokus steht und die ihm gebührende Aufmerksamkeit erhält. Die Abfüllungen von Habitation Saint Etienne (HSE) waren durch die Bank empfehlenswert, insbesondere der HSE Small Cask 2007, der HSE Sherry Finish Pedro Ximenez 2005 und der HSE Single Malt Finish Highland 2005. Als Gewinner des Abends erwies sich für mich jedoch der Depaz Cask Strength 2002, der mit knapp 17 Jahren tropischer Reifung auf Martinique eine unglaublich reiche und dichte Aromatik an den Tag legt. Trotz des gewiss nicht ganz günstigen Preises ein großartiger, komplexer Rhum Agricole, mit der man sich ausgiebig beschäftigen kann (und auch muss). Dem fortgeschrittenen Alkoholpegel und dem verkäuferischen Talent von Monsieur Bail geschuldet, landete schließlich auch eine Flasche davon in meinem Rucksack. Rückblickend kann ich sagen: glücklicherweise! Zum Abschluss holte Dirk noch eine Privatabfüllung von Nine Leaves hervor, die einmal mehr verdeutlichte, dass Rum von dieser japanischen Destillerie auf eine sehr eigene Art interpretiert wird.

Benoit Bail und Dirk Becker
Können diese Augen lügen?
Benoit Bail, Dirk Becker und Robert Zinke am Stand von Spirit of Rum
Die Drei von der Tankstelle: Benoit Bail, Dirk Becker und Robert Zinke am Stand von Spirit of Rum

… bis nach Mauritius

Nach einem kurzen Zwischenstopp bei N. Kröger, der seinen Relaunch Wagemut PX-Cask Barbados dabei hatte, und einem Abstecher bei Kellerherz mit dem Louis Santo Rum aus der Dominikanischen Republik (der 18-jährige hat beim German Rum Award 2019 Gold in der Kategorie „Solera“ gewonnen) endete der Abend am Stand von Fancy Food & Lifestyle mit den mauretanischen Marken Chamarel, Bougainville und Labourdonnais. Es war wie immer eine große Freude, mit dem sympathischen Ehepaar Solveig Gerz-Stamenkovic und Vladan Stamenkovic zu plaudern. Eine vielversprechende, hoffentlich bald erhältliche Neuerscheinung ist der aus frischem Zuckerohrsaft hergestellte Oaks & Âmes der Oxenham Distillery. Er wird in einer White- und in einer Gold-Variante erscheinen und verströmt ein betörend intensives Aroma von frischem Zuckerrohr.

N. Kröger Wagemut
Wagemut auf Paletten
Vladan Stamenkovic
Volle Konzentration bei Vladan Stamenkovic

Fazit

Die 089 Spirits 2019 war alles in allem ein netter Abend in entspannter Atmosphäre. Auch wenn primär die Gin-Freund*Innen auf ihre Kosten kamen und sich die Auswahl für Rum-Trinker in Grenzen hielt, gab es doch einiges Interessantes zu entdecken. Und sogar mit nach Hause zu nehmen …

Rhum Depaz Cask Strength 2002
Der Gewinner des Abends: Rhum Depaz Cask Strength 2002
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