Plantation Pineapple Stiggins‘ Fancy

Rum des Monats November 2017

Rum-Review   •   1. November 2017

„If you like Pina Colada ...“

Die Kombination von Rum und Ananas ist keine wirklich neue Erfindung. Bereits im 18. Jahrhundert in Mode, hat sie spätestens mit dem Cocktailklassiker „Piña Colada“ die (mehr oder weniger ambitionierten) Bars dieser Welt erreicht. Der beste Ruf haftet derartigen Mixturen allerdings nicht an. Was man an der Strandbar vielleicht noch durchgehen lässt, wirkt in der Welt hochwertiger Spirituosen eher deplatziert. Entsprechend groß waren zunächst auch meine Vorbehalte gegenüber Plantations „Pineapple Stiggins‘ Fancy“. Zumal das Kapitel Spiced bzw. Flavoured Rum häufig nicht zu den erquicklichsten seiner Art zählt.

In diesem Fall ist es allerdings nötig, ein paar Vorurteile über Bord zu werfen. Denn was Alexandre Gabriel, Chef von Plantation und eine Art Mad Genius der Branche, gemeinsam mit dem Spirituosen-Experten David Wondrich in die Flasche gezaubert hat, ist eine kleine Sensation. Der Rum mit dem stilechten Vintage-Etikett und dem etwas eigenartigen Namen ist ein Tribut an Reverend Stiggins, eine Figur aus Charles Dickens‘ Roman „The Pickwick Papers“, der diesem Getränk ausgesprochen zugeneigt war. Gabriel und Wondrich griffen auf ein Rezept aus dem Jahr 1824 zurück und legten Ananasrinden der Sorte „Queen Victoria“ in weißen Plantation-Rum ein. Auf diese Weise werden die aromareichen Öle, die sich vor allem in der Rinde befinden, herausgelöst. Nach einer Woche erfolgt eine Destillation des aromatisierten Rums in Pot Stills. Das Fruchtfleisch der Ananas wird währenddessen drei Monate in dunklen Plantation-Rum mazeriert. Am Ende werden die beiden Rums miteinander vermählt und für drei weitere Monate in Eichenfässern gelagert.

Plantation Pineapple Stiggins‘ Fancy − mehr Ananas geht nicht

Das Ergebnis schmeckt so intensiv nach Ananas, dass es beinahe unwirklich erscheint: reife, aromatische, vor Frucht berstende Ananas, wie man sie hierzulande selten zu Gesicht bzw. in den Mund bekommt. Man hat beinahe den Eindruck, dass jeder Schluck näher an die Essenz der Frucht heranführt. Zugleich kommt einem in den Sinn, wie häufig man im eigenen Ernährungsalltag von künstlichen Aromen umgeben ist – und welch Gegensatz der Plantation Pineapple dazu darstellt.

Dieser Rum zaubert – gerade in der nun einsetzenden kalten Jahreszeit – ein karibisches Lächeln ins Gesicht. Die kräftig-würzigen Aromen des Rums und die Fruchtigkeit der Ananas ergänzen und verstärken sich auf fantastische Weise. Hinter den dominierenden Ananasnoten lassen sich noch weitere Früchte (grüne Banane, Kirsche) und vanillige Holznoten des Fasses ausmachen. Im Hintergrund finden sich Gewürze wie schwarzer Pfeffer und Gewürznelke.

Der Plantation Pineapple ist gewiss nicht übermäßig komplex oder gar kantig. Wer ausschließlich trockenen Rhum Agricole, High-Ester-Rum oder Islay-Whiskies goutiert, wird mit Reverend Stiggins‘ Lieblingsgetränk eher wenig anfangen können. Für alle anderen aber gilt: Dieser Rum macht unglaublich viel Spaß und bietet eine wunderbare Harmonie zwischen Frucht und Würze. Wer jemals am Konzept von Flavoured Rums zweifelte, darf sich eines Besseren belehren lassen und sich davon überzeugen, welch großes Potenzial hier noch verborgen liegt.

Plantation Pineapple
Plantation Pineapple Stiggins‘ Fancy

Rum-Score: 90/100

Plantation Pineapple Stiggins‘ Fancy

Plantation Pineapple
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