Flor de Caña Centenario 18

Rum des Monats Oktober 2018

Rum-Review   •   4. Oktober 2018

Flor de Caña – Ein Jahrhundert Rum

Während derzeit beinahe wöchentlich ein neuer Rum auf den Markt zu kommen scheint, sind manche Produzenten bereits seit über einem Jahrhundert aktiv. Dazu zählt Flor de Caña aus Nicaragua, eine weltweit erfolgreiche Marke, die in Deutschland allerdings noch immer als Geheimtipp gilt. Im Jahr 1890 gründete Francisco Alfredo Pellas das Unternehmen, das sich seit mittlerweile fünf Generationen im Familienbesitz befindet. 1937 entstand daraus die Compañía Licorera de Nicaragua, die den Rum bis heute herstellt und vertreibt. Gebrannt wird in der San Antonia Sugar Mill – der einzigen Destillerie Nicaraguas – in einem Ort mit dem klangvollen Namen Chichigalpa. Wer mehr über die Geschichte von Flor de Caña erfahren möchte, kann sich auf der Website des Unternehmens informieren.

Flor de Caña verfügt über die eine der größten Mengen an gelagertem Rum weltweit – in den Lagerhallen befinden sich bis zu 30.000 Fässer! Der Erfolg des Unternehmens misst sich nicht nur in Verkaufszahlen, sondern auch in zahllosen Preisen und Medaillen. Auf der letztjährigen International Wine and Spirit Competition (2017) in London wurde Flor de Caña als „Global Rum Producer of the Year“ ausgezeichnet.

Slow Aging und Boykott

Seit 1950 wendet Flor de Caña das markenrechtlich geschützte „Slow Aged“-Verfahren an, das für den milden Charakter des Rums verantwortlich ist. Bei diesem natürlichen Reifeprozess darf keinerlei künstliche Beschleunigung stattfinden. Auch Zusätze wie Zucker oder Aromen sind verboten. Derart hergestellte Erzeugnisse dürfen mit Erlaubnis der US-Behörden das Markenzeichen „Slow Aged“ tragen.

Nicht unerwähnt bleiben soll allerdings auch ein Warenboykott gegen die Compañía Licorera de Nicaragua, zu dem vor einigen Jahren aufgerufen wurde. Grund dafür waren schwere Erkrankungen vieler ehemaliger Plantagenarbeiter, die auf den exzessiven Einsatz von Pestiziden zurückgeführt wurde. Die Betroffenen und deren Angehörige forderten Entschädigungszahlungen von der Compañía Licorera de Nicaragua, die jedoch einen Zusammenhang zwischen dem Pestizideinsatz und den Erkrankungen stets bestritten hat. Ein ausführliches Dossier dazu findet sich bei Rumporter.

Flor de Caña Centenario 18

Bei Flor de Caña handelt es sich um Single Estate Rum. Das bedeutet, dass von Anbau und Ernte des Zuckerrohrs über Destillation und Lagerung bis hin zur Abfüllung alles aus einer Hand erfolgt. Destilliert wird der Rum aus Melasse in einer kontinuierlichen Fünf-Säulen-Anlage. Im Vergleich zu Pot Still-Rum ist das Ausgangsprodukt dadurch sehr leicht. Die Reifung erfolgt in Ex-Bourbon-Fässern.

Wirft man einen Blick auf die ansprechend gestaltete Flasche unseres Rums des Monats, des Flor de Caña Centenario 18, erfährt man, dass der Rum einen Alkoholgehalt von 40 % aufweist. Hinter der aufgedruckten Zahl 18 vermutet der arglose Rumtrinker die Altersangabe. Zurecht? Dazu muss man wissen: Vor dem Redesign der Flasche vor einigen Jahren stand auf dem Etikett noch 18 Years, bis man das „Years“ einfach weggelassen hat. Einige Blogger sind der Meinung, dass die 18 seitdem gar nichts mehr über das Alter aussage und man die unterschiedlichen Abfüllungen (in Gedenken an Michael Schanze) genauso gut 1, 2 oder 3 nennen könnte.

Dieser Schluss scheint allerdings etwas voreilig. Zum einen wird auf der Website von Flor de Caña das Alter des Rums nach wie vor mit 18 Jahren angegeben, zum anderen berichtet der Rum Howler, dass es sich bei der Zahl 18 um das durchschnittliche Alter der im Blend verwendeten Rums handle. Diese nicht unübliche Praxis soll eine gleichbleibende Qualität sicherstellen. Faktisch dürfte es sich also nach wie vor um einen Rum handeln, dessen Bestandteile – zumindest im Durchschnitt – das genannte Alter aufweisen. Allerdings zeigt sich hier ein sehr grundsätzliches Problem (das der Fat Rum Pirate in seinem Review ebenfalls anspricht): Viele Rumtrinker*innen trauen ihrem Lieblingsgetränk und den dahinterstehenden Produzenten mittlerweile nicht mehr recht über den Weg – weil es nach wie vor zu wenig Regularien gibt und insgesamt zu viel Schindluder getrieben wird.

Flor de Caña Centenario 18 – Tasting

Jenseits der oben genannten Diskussion kann man sich allerdings auch auf den Standpunkt stellen, dass es letztendlich egal ist, ob ein Rum eine Woche oder 18 Jahre im Fass gereift ist – solange das Ergebnis stimmt. Womit wir beim Tasting angelangt wären.

In der Nase macht sich der Einfluss der Ex-Bourbon-Casks deutlich bemerkbar – zweifellos hatte der Rum für lange Zeit Kontakt mit den Eichenfässer und erinnert dadurch an Bourbon-Whiskey. Aromen von dunkler Schokolade, Kakao, Karamell, Vanille, Nuss und Zimt halten sich die Waage mit einer würzigen Tabaknote. Der Alkohol ist zunächst etwas dominant, verfliegt aber nach einiger Zeit im Glas. Fruchtnoten fehlen fast vollständig, allenfalls ein Hauch von Aprikose lässt sich ausmachen. Intuitiv denkt man an einen „typisch“ lateinamerikanischen Rum. Entsprechend erwartet man auch im Mund den obligatorischen vanillig-süßen Geschmack, wie man ihn von vielen anderen Vertretern aus Mittel- und Südamerika kennt.

Umso erstaunlicher ist dann der tatsächliche Befund: Der Rum schmeckt nicht süß, sondern relativ trocken. Der Verzicht auf die sonst oft übliche Zugabe von Zucker und anderen Zusätzen macht sich klar bemerkbar. Gleichwohl sind Aromen von Vanille und Karamell vorhanden. Sehr präsent sind die Bourbon- und Eichennoten, die leicht ins Bittere driften und sich mit Gewürzen und einer leichten Chili-Schärfe paaren. Das Finish ist mittellang. Auch hier dominieren die Eichennoten, die allerdings nicht ganz optimal eingebunden sind und einen etwas bitteren Nachhall erzeugen.

Der Flor de Caña Centenario 18 ist ein eigenständiger Rum, der sich deutlich von seinen mittelamerikanischen Cousins absetzt. Sein Gesamtbild ist mild und harmonisch, wenngleich nicht übermäßig komplex. Statt auf künstliche Süße setzt er auf den natürlichen Effekt der Fassreifung. Wer auf Eichen- und Bourbonaromen steht, kommt voll auf seine Kosten. Der Rum ist zwar trockener, als man es von Botucal und Co. gewohnt ist, zugleich aber auch gefällig, da er mit einer gewissen natürlichen Süße und schmeichelnden Aromen punkten kann.

Insofern eignet sich der Rum insbesondere für diejenigen, die einen Schritt über die üblichen Süßrum-Verdächtigen hinausgehen möchten, dennoch aber nicht die größtmögliche Herausforderung suchen. Der Flor de Caña Centenario 18 ist ein zugleich gefälliges und markantes Trinkvergnügen – und ein besonderer Tipp für Freunde von Bourbon-Whiskey, die es mal mit Rum probieren wollen.

Hinweis: Die Flasche Flor de Caña Centenario 18 wurde uns freundlicherweise von Conalco zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Flor de Caña Centenario 18

Rum-Score: 80/100

Flor de Caña Centenario 18

Flor de Cana 18
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